Covid19 – eine (persönliche) Zwischenbilanz

Nun sind wir im dritten Monaten mit der sogenannten Krise beschäftigt, und es an der Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Das mache ich gerne, da alles, was wir bisher erlebt haben, Anlass zu Dankbarkeit geben kann.

  • wir haben in all den Wochen keinen ernsthaften – oder gar stationären – Verlauf der sogenannten “Covid-Infektion” mit unseren Patienten erlebt
  • es gab – vor allem im Rückblick VOR dem sogenannten lockdown – von den Symptomen typischer Erkrankungen, die aber allesamt in einer milden grippalen Symptomatik verlaufen sind
  • der “lockdown” hat auch andere Infektionswellen zum Erliegen gebracht, bereits Mitte März sahen wir kaum noch Influenzainfektionen
  • in unserem Team ist während der gesamten Welle niemand erkrankt oder hat Corona-verdächtige Befunde gezeigt
  • Abstandregeln und Maskenpflicht sind beispielhaft von Eltern wie Kindern beherzigt und umgesetzt worden
  • alle PCR Teste, die wir durchgeführt haben, und auch Antikörper-Teste sind bisher negativ ausgefallen
  • in der Summe haben wir bis auf 2(!!) Fälle keinen offensichtlichen “Corona-Fall” MIT NACHWEIS erlebt oder dies von Eltern mitgeteilt bekommen, sofern bei den Gesundheitsämtern eine Untersuchung durchgeführt wurde

Soweit die Positivseite.

Es gab oder gibt zunehmend Probleme im Umgang mit der Pandemie Situation

Also ein paar Worte zur Negativseite:

  • sensible Kinder, vor Grundschulkinder und Jugendliche reagieren depressiv oder agressiv auf die anhaltende Situation; der psychologische Wirkung des lockdowns kommt mit aller Macht zum Tragen!!!
  • das Tragen der Mundnasebedeckung wird von nahezu allen Personen als belastend, unangenehm und beklemmend empfunden. Wir gehen abends durch das permanente Rückatmen des CO2 erschöpfter und sehr müde nach Hause
  • nahezu alle befragten Kinder wünschen das Tragen des Mund-Nase-Schutzes seitens des Arztes oder Personals NICHT!! (finde ich persönlich sehr interessant)
  • die Angst, als Erwachsener ungewollt und unerkannt die Erkrankung zu übertragen ist hoch, insbesondere bei Lehrkräften, Erieherinnen und medizinisch tätigen Personal.
    Hier kommt es zu einer Umkehr der Verantwortung, die ich bedenklich finde.
    So lange keine Krankheitszeichen vorliegen, darf jeder mit den entsprechenden Schutzmassnahmen angstfrei sich bewegen!

In der Summe also ein gemischtes Bild und auch ein gemischtes Gefühl.
Als Mediziner stehe ich nach wie vor vor einer grossen Zahl unbeantworteter Fragen, glaube aber, dass unser Land die Situation bisher gut gemeistert hat und es Grund gibt, mit bedächtigen Lockerungen allmählich wieder zur Normalität zurückzukehren.

Ihnen und den Kindern wünsche ich eine gute Erholung aus dieser Situation und das Zurückgewinnen alter Sicherheiten und Lebensgewohnheiten.

Denen, die existenziell in Not geraten sind: fassen Sie Mut, nehmen Hilfe in Anspruch und schöpfen Sie aus Ihren Begabungen und Möglichkeiten. Lassen Sie sich NICHT unterkriegen!!

Dr. Stute 19.6.2020