Ernährung + Stillen im 1. Lebensjahr

Ernährung + Stillen im 1. Lebensjahr

Die wichtigsten Organi­sationen von Kinder- und Frauenärzten Hebammen, Ernährungsexperten und Gesundheitspolitik haben jetzt Handlungsempfehlungen und unmissverständliche Zeitangaben zu Stillen, Babynahrung und Beikost erarbeitet
(MschrKhlk2010; 158: 679).


Manches bisher Empfohlene wurde dabei verändert, berichtet Professor Berthold Koletzko von der Stiftung Kindergesundheit aus München:

Stillen gilt dabei nach wie vor als das Beste für Mutter und Kind.
Stillen kann das Risiko für Durchfall, Otitis media und für ein späteres Übergewicht senken. Es wirkt sich auch auf die Gesundheit der Mutter positiv aus und fördert die Bindung zwischen Mutter und Kind.
Babys sollten mindestens bis zum Beginn des fünften Lebensmonats
ausschließlich gestillt werden. Das gilt auch für Kinder mit erhöhtem Allergierisiko.
Aber auch nach Einführung der Beikost – das geschieht
spätestens mit Beginn des zweiten Halbjahres – sollte weiter gestillt werden. Auch Teilstillen ist wertvoll, heißt es in den Handlungsempfehlungen.

Gestillt wird nach Bedarf: Zeitpunkt und Dauer bestimmt das Kind. Das Stillen oder Füttern nach der Uhr ist in den Hintergrund getreten.

Empfehlungen zum Ernährungsstart:

  • ab dem 1. bis 5. (bis 7.) Monat: nur Muttermilch (oder Säuglingsnahrung; Pre-” oder „1-” Nahrung).

  • zusätzlich: Vitamin K bei den Vorsor­geuntersuchungen Ul, U2 und U3 und

  • Tabletten mit Vitamin D (und Fluorid) für das ganze erste Lebensjahr und darüber hinaus,

    Empfehlungen zur sogenannten Beikost:

    • ab dem 5. bis 7. Monat: erster Brei
      (gut geeignet:
      Gemüse-Kartoffel-Brei mit Fleisch oder Fisch);
      (ergänzend weiter Muttermilch und/oder Säuglingsnahrung, d.h. Pre-” oder „1-” Nahrung) oder Folgenahrung („2-” Nahrung).

      Ab 5. bis 7. Monat: zweiter Brei (gut geeignet: Getreide-Milch-Brei),
      ab dem
      6. bis 8. Monat: dritter Brei (gut geeignet: Getreide-Obst-Brei),
      ab dem
      10. Monat: allmählich und schrittweise Familienkost einführen (zum Beispiel weiches Brot),

      ab Ende des 1. Lebensjahres: Kuhmilch kann als Getränk gegeben werden.

Eltern sollten wissen: Anfangsnahrun­gen, die als „Pre”- oder „1er”-Nahrung be­zeichnet werden, sind zur Fütterung des Babys von Geburt an und danach für das gesamte erste Lebensjahr geeignet.
Wenn Folgenahrung verwendet wird (als „2″- Nahrung bezeichnet), sollte sie frü­hestens mit Beginn der Beikostfütterung eingeführt werden.

Fläschchennahrung:
Wenn die Mutter ihr Kind nicht oder nicht voll stillt, gilt die Regel: fertig kaufen, nicht selbst her­stellen. Empfohlen wird eine industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung.
Der Grund: Babys gedeihen mit selbst herge­stellter Milchnahrung nicht so gut.

Deshalb nicht selbst herzustellen, gilt für alle Milchar­ten – also für Kuh-, Ziegen-, Schaf- und Stutenmilch sowie für andere Rohstoffe wie Mandeln oder Soja.

Allergiegefährdete Kinder

Was tun, wenn eine Allergie droht? Von einem erhöhten Allergierisiko ist auszugehen, wenn mindestens ein Elternteil des Babys, eine Schwester oder ein Bru­der unter einer Allergie (Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis) leidet.
Nicht oder nicht voll gestillte Babys mit diesem Risi­ko sollten im ersten Halbjahr ihres Le­bens eine sogenannte HA-Nahrung (hy-poallergene Nahrung) erhalten,
mindes­tens bis zum Beginn des fünften Monats.
Mit Einführung der Beikost (s.o.) kann dann auf eine „normale” Säuglingsmilchnah­rung umgestellt werden.

Schadstoffarme Umgebung ist bei Allergierisiko wichtig

Der Schutzeffekt der HA-Nahrung wird allerdings oft überschätzt, heißt es in den Empfehlungen. Besonders wichtig sei deshalb, in Familien mit Allergierisiko ei­ne allergen- und schadstoffarme Umge­bung zu schaffen.

Das bedeutet:
keine Katzen und andere Haustiere mit einem Fell anschaffen;
Schimmel und feuchte Stellen an Wänden vermeiden;
lösungs­mittelarme Lacke und Farben verwen­den;
bei Wohnungen an stark befahre­nen Straßen nur zu verkehrsarmen Zei­ten mehrmals kurz am Tag lüften.(Feinstaubbelastung)

 

Zufüttern von Beikost bedeutet aber nicht das Ende des Stillens, betonen die Experten.

 

Auch Babys, die bereits mit dem Fläschchen gefüttert werden, soll­ten ihre Flasche weiter erhalten, wenn Brei- und Löffelkost eingeführt wird.

 

Es darf übrigens alles auf den Löffel, was dem Baby schmeckt! Die früher oft erhobenen Warnungen vor allergen-reichen Nahrungsmitteln wie Milch­eiweiß, Eier oder Fisch haben sich als nutzlos erwiesen:

Das Meiden oder die spätere Einführung derartiger Lebensmittel bietet keinen Schutz vor Allergien. Heute wird deshalb Abwechs­lung durch Variation der Beikostzutaten empfohlen.

Extract aus Monatsschrift für Kinderheilkunde B.Koletzko Bd. 158 – 7 – 2010

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