Masern-Schutz im ersten Lebensjahr bei geimpften/ungeimpften Müttern

Masern-Schutz im ersten Lebensjahr bei geimpften/ungeimpften Müttern

Wie lange sind Säuglinge durch mütter­liche Masern-Antikörper geschützt?
Die Masern-Impfung wird weltweit durchgeführt. Es war das erklärte Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die mit den Masern weltweit verbundene Mortalität zu senken und die Masern bis zum Jahre 2010 auszurotten. Dieses Ziel dürfte in diesem Jahr nicht er­reicht werden

Einleitung:

Die Ergebnisse können sich aber trotzdem sehen lassen. Die weltweite Masern-Mortalitätsrate sank zwischen 2000 und 2007 um 74 %. (26) Der erste kind­liche Masernschutz erfolgt durch die Leihimmunität diaplazentar übertragener mütterlicher Antikörper. Verschiedene Faktoren beeinflussen das Ausmaß müt­terlicher Antikörper des jungen Säuglings. Das Schwan­gerschaftsalter bestimmt die Menge des Transfers mütterlicher Antikörper, wobei Frühgeborene signifi­kant weniger erhalten. Mit der Zunahme des mütter­lichen Alters bei der ersten Schwangerschaft erhöht sich der Abstand zum Zeitpunkt der Masern-Immunisierung, was negative Auswirkungen auf die Höhe und die Dauer des kindlichen Schutzes zeitigt. Letztlich bestimmt auch der Abbau mütterlicher Antikörper das Ausmaß des Schutzes für den heranwachsenden Säugling. Die Ergebnisse einiger Studien lassen den Schluss zu, dass Kinder von Müttern, die gegen Masern geimpft wurden, geringere und schneller abfallende Masern-Antikörper-Titer aufweisen als Kinder von Müttern, die an Masern erkrankt waren. (27)
Bei der heute geltenden Impfemp­fehlung, Kinder im Alter zwischen 12-15 Monaten gegen Masern zu impfen, ergibt sich möglicherweise eine Lücke im Masernschutz, Leuridan etat haben den Abfall mütterlicher Masern-Antikörper bei Neugeborenen untersucht. (28)

Methode: In der prospektiven Studie (Mai 2006 bis November 2008), an der 5 Krankenhäuser in der Provinz Antwerpen beteiligt waren, wurden 221 Schwangere rekrutiert. 207 Mutter-Kind-Paare konnten in die Studie aufgenommen werden. Sie wurden in eine geimpfte (n = 87) und eine auf natürlichem Wege immunisierte Gruppe (n = 120) entsprechend der vorhandenen Do­kumente und Vorgeschichte aufgeteilt, Die Masern-IgG-Antikörper wurden zu mehreren Zeitpunkten gemessen (36. Schwangerschaftswoche, Geburt (Nabelschnur­blut), im Alter von 1, 6, 9 und 12 Monaten), Der Antikör­perverlauf wurde mit den erhaltenen Daten am Modell ermittelt,
Ergebnisse: Geimpfte Mütter wiesen signifikant (p < 0,001) geringere IgG-Antikörperspiegel (mittlerer geometrischer Titer 779, 95 % Kl 581-1,045) auf als die auf natürliche Weise immunisierten Mütter (mittlerer geometrischer Titer 2.687, 95 % Kl 2 126-3.373). Die mütterlichen Masern-Anti­körper korrelierten zum Zeitpunkt der Geburt mit den kindlichen Antikörperspiegeln (r = 0,93). Im Mittel konn­ten mütterliche Antikörper postpartal noch 2,61 Monate nachgewiesen werden; 3,78 Monate bei Kindern natür­lich mit Masern infizierter Mütter und 0,97 Monate bei Säuglingen geimpfter Mütter. Im Alter von 6 Monaten konnten bei mehr als 99 % der Säuglinge geimpfter Mütter und bei 95 % natürlich immunisierter Mütter im Modell keine Antikörper mehr nachgewiesen werden.

Schlussfolgerungen
: In der Studie wird eine hohe Masern-Empfänglichkeit sowohl für Säuglinge auf natürlichem Wege gegen Masern geschützter Mütter als auch für Säuglinge gegen Masern geimpfter Mütter bereits im Alter von 6 Monaten nachgewiesen.

Kommentar
: Neugeborene werden postpartal über mütterliche Antikörper gegen Masern geschützt. (29) Der Masern-Antikörperstatus der Mutter und die Dauer der Schwangerschaft nehmen Einfluss auf die Höhe der kindlichen Antikörper und bestimmen die Höhe des im Verlauf des ersten Lebensjahres abnehmenden kind­lichen Schutzes. Diese Antikörper können auch die Lebend-lmmunisierung des Säuglings abschwächen oder sogar verhindern, so dass dem Zeitpunkt der Impfung eine große Bedeutung zukommt. (30,31)
Die STIKO emp­fiehlt, die Erstimpfung gegen Masern mit einem Kom­binationsimpfstoff (Masern-Mumps-Röteln) im Alter zwischen 11 und 14 Monaten durchzuführen, Sie kann in Ausnahmefällen, bei einer entsprechenden epidemio­logischen Situation, bereits ab einem Alter von 9 Mona­ten erfolgen (RKI, Epid. Bulletin Nr. 30, 2. August 2010)
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Für eine Impfung von Säuglingen jünger als 9 Monate fehlen ausreichende Daten zu Wirksamkeit und Sicher­heit. Sie können nach Masern-Kontakt in einer Risiko-Nut­zen-Abwägung alternativ ausnahmsweise mit einer Lebendimpfung oder Immunglobulinen geschützt werden. Die Daten von Leuridan etal, bestätigen frühere Untersuchungen und zeigen, dass Säuglinge mit 6 Mo­naten kaum noch einen ausreichenden passiven Masernschutz aufweisen und gefährdet sind, bei einer Exposition zu erkranken. (27) Nach den Meldedaten des RKI aus den Jahren 2001 bis 2009 schwankte der Anteil an Masern erkrankter Säuglinge in der BRD zwischen 2 % und 11 %. Die Masern-Inzidenz für Kinder unter einem Jahr übertraf in jedem Jahr die Masern-Gesamtinzidenz. Gerade in dieser Altersgruppe sind die Komplikationen beim Verlauf hoch. Die Ergebnisse von Leuridan et al. und des RKI (RKI, Epid. Bull. Nr. 32, 16. August 2010) zeigen eine erstaunliche Lücke im Masernschutz für das erste Lebensjahr auf und bestätigen die Notwendigkeit der rechtzeitigen Masern-Impfung gegen Ende des ersten Lebensjahres,

Sie bieten aber keine Lösung für das Problem des fehlenden Masemschutzes im Säuglingsalter an. Noch liegt in Deutschland die Masern-Inzidenz mit < 1/100.000 9-mal höher als das von der WHO definierte Niveau für das Erreichen der Masern­elimination.